Reinhold-Schwarz-Förderpreis 2026

Wir gratulieren herzlich!

Der Reinhold-Schwarz-Förderpreis für Psychoonkologie 2026 geht an zwei herausragende Arbeiten vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg sowie der LMU München.

Prämierte Studien widmen sich der Erfassung physischer, emotionaler und kognitiver Fatigue bei Krebskranken sowie der Lebensqualität von Langzeitüberlebenden einer akuten myeloischen Leukämie (AML).

Der Reinhold-Schwarz-Förderpreis für Psychoonkologie 2026, dotiert mit 2.500 €, wurde in diesem Jahr zu gleichen Teilen an Dr. Patricia Blickle Heidelberg sowie Eva Telzerow München vergeben. Die Preisverleihung erfolgte am 10. Oktober 2026 in Hamburg im Rahmen der 24. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie (PSO) der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

Die Arbeit von Patricia Blickle und Co-Autor*innen befasst sich mit der wissenschaftlichen Ermittlung von Schwellenwerten in der Fatigue Diagnostik. Die tumorassoziierte Fatigue ist eine der gravierendsten Neben- und Langzeitwirkungen bei Krebspatient*innen, wobei für die Diagnostik bisher nur vereinzelt wissenschaftlich validierte Schwellenwerte zur klinischen Beurteilung der Fatigue vorgelegt wurden. In dieser herausragenden und praxisrelevanten Veröffentlichung werden für den EORTC QLQ-FA12, einem international etablierten Instrument zur Erfassung tumorassoziierter Fatigue, erstmals Schwellenwerte für die jeweiligen Dimensionen der physischen, emotionalen und kognitiven Fatigue ermittelt. In einer umfangreichen Stichprobe (N = 1.111 Patient*innen) aus zwei längsschnittlichen Beobachtungsstudien wurden die Kennwerte des EORTC QLQ-Fa12 transparent und ankerbasiert operationalisiert, mit methodisch hochwertigen statistischen Auswertungsmethoden analysiert und im Hinblick auf Stabilität in zentralen Subgruppen überprüft. Die Werte für Sensitivität und Spezifität sprechen für eine hohe diskriminative Güte. Die zusätzlichen Subgruppenanalysen nach Alter und Geschlecht sowie die getrennten Analysen der beiden Studien stützen die Robustheit der Befunde. Nach der Bewertung der Gutachter*innen schließt diese Studie eine Lücke in der Diagnostik der Fatigue. Sie steht nicht nur auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau, sondern ist auch für die klinische Versorgung relevant und hat einen unmittelbaren Nutzen für Screening und Versorgung in der Psychoonkologie. Patient*innen mit behandlungsbedürftiger Fatigue können auf der Basis dieser Befunde früher identifiziert und gezielter an supportive, psychoonkologische, bewegungsbezogene oder edukative Angebote übermittelt werden. Mit Hilfe der Ergebnisse dieser Arbeit kann der EORTC QLQ-Fa12 zur Priorisierung der Behandlungsbedürftigkeit bei begrenzten Ressourcen eingesetzt werden. Ebenso wird dadurch die Interpretation und Einordnung der Befunde verbessert und die Verständigung zwischen Patient*innen, Psychoonkolog*innen und Onkolog*innen erleichtert.

Fotonachweis: Benoit Ravier-Bollard

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung der Lebensqualität und der Notwendigkeit der Implementierung von geeigneten Versorgungskonzepten für Langzeitüberlebende einer Krebserkrankung untersuchte die Arbeitsgruppe um Eva Telzerow die langfristige Lebensqualität und Lebenszufriedenheit von Überlebenden einer akuten myeloischen Leukämie (AML). Sie widmet sich mit dieser Arbeit einer bislang wenig erforschten Patient*innengruppe. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die Erkrankung und ihre Behandlung auf das psychosoziale Wohlbefinden und die Lebenssituation von Langzeitüberlebenden auswirken. In einer multizentrischen Querschnittstudie untersuchte sie eine für diese Diagnosegruppe beachtliche Stichprobe von 427 ehemaligen AML-Patient*innen mindestens fünf Jahre nach der Diagnose und bis zu einem Zeitraum von 18,6 Jahren danach. Etwas mehr als die Hälfte (63 %) hat eine allogene Stammzelltransplantation erhalten. Die Ergebnisse zeigen, dass viele AML-Überlebende auch Jahre nach Abschluss der Therapie mit relevanten körperlichen und psychischen Belastungen konfrontiert sind. Insbesondere Fatigue, Angstsymptome, Komorbiditäten sowie eine geringe soziale Unterstützung erwiesen sich als wesentliche Risikofaktoren für eine eingeschränkte Lebensqualität. Gleichzeitig konnte die Studie wichtige Ressourcen identifizieren, die mit einer höheren Lebenszufriedenheit verbunden sind. Besonders aufschlussreich ist die differenzierte Betrachtung und Analyse von Patient*innen nach allogener Stammzelltransplantation sowie die Identifikation von Risikogruppen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf. Die Gutachter*innen betonen, dass die Arbeit für die psychoonkologische Versorgung eine hohe Bedeutung hat. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Nachsorge von AML-Patientinnen und -Patienten weit über die reine Rezidivkontrolle hinausgehen muss. Psychosoziale Belastungen, Fatigue, emotionale Beeinträchtigungen und soziale Unterstützungsbedarfe sollten systematisch erfasst und in strukturierte Nachsorgekonzepte integriert werden. Die Studie liefert damit eine wertvolle wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung bedarfsorientierter psychoonkologischer und survivorship-orientierter Versorgungsprogramme mit entsprechenden Implikationen für die Weiterentwicklung klinischer Leitlinien.

Fotonachweis: Christiane Meyer „Fotographie by Christiane“

Der Reinhold-Schwarz-Förderpreis
für Psychoonkologie

Der Verein für Fort- und Weiterbildung Psychosoziale Onkologie (WPO) vergibt in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie (PSO) in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) turnusgemäß alle zwei Jahre den mit 2.500 € dotierten Reinhold-Schwarz-Förderpreis für Psychoonkologie.

Die nächste Ausschreibung erfolgt voraussichtlich Anfang 2028.

Bewerben können sich Personen, die zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht älter als 40 Jahre sind. Zielgruppe sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die eine herausragende Originalarbeit (bereits publiziert oder zur Publikation angenommen) als Erstautorin bzw. -autor vorlegen. Bewertungskriterien sind die methodische Qualität, die inhaltliche und/oder methodische Originalität sowie der thematische Bezug zur Psychoonkologie.

Hintergrund

Reinhold Schwarz

Prof. Dr. med. Dipl.-Soz. Reinhold Schwarz (1946 – 2008) war einer der Pioniere auf dem Gebiet der Psychoonkologie in Deutschland. Er studierte von 1966 bis 1972 Humanmedizin an den Universitäten in Marburg, München und London. 1991 habilitierte er sich und erwarb die venia legendi für die Fächer „Klinische Psychosomatik und Sozialmedizin“.   Von 1984 bis 1997 leitete er die Psychosoziale Nachsorgeeinrichtung für Tumorpatienten des Heidelberger Seminars für Psychosoziale Onkologie und gehörte zu den Begründern der Weiterbildung Psychoonkologie.  Seit 1998 war Reinhold Schwarz als Professor für Sozialmedizin als Leiter der Selbständigen Abteilung Sozialmedizin am Institut für Arbeits- und Sozialmedizin tätig. 20. November 2008 ist er unerwartet in Leipzig verstorben.

Aufgrund seiner Verdienste wurde er auf Initiative der PSO sowie der Familie Schwarz als Namensgeber für diesen Preis ausgewählt, da er sich Zeit seines Lebens um die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler be­müht hat. Es war immer sein Anliegen, junge Menschen für die Arbeit mit Krebspatientinnen und Krebspatienten zu gewinnen und hochqualifiziertes therapeutisches und wissenschaftliches Arbeiten zu gewährleisten. Der Preis dient der Förderung der wissenschaftlichen Weiterentwicklung der Psychoonkologie.

Nachruf der Universität Leipzig…

Bisherige Preisträger*innen

Die Preisträgerinnen 2026

  • Dr. sc. hum. Patricia Blickle vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg, Abteilung Bewegung, Krebsprävention und Survivorship sowie Nationales Zentrum für Tumorerkrankungen (NCT) des Universitätsklinikum Heidelberg mit der Arbeit „Facilitating the interpretation of the multidimensional EORTC QLQ-FA12 fatigue questionnaire: Establishing thresholds of clinical importance” publiziert im European Journal of Cancer. https://doi.org/10.1016/j.ejca.2025.116134
  • Eva Telzerow von der Medizinische Klinik und Poliklinik III, Psychoonkologie, der LMU München mit der Arbeit „Quality of life and life satisfaction in long-term survivors of acute myeloid leukemia ” publiziert in der Zeitschrift Leukemia. https://doi.org/10.1038/s41375-025-02735-y

Beide Arbeiten wurden in international hochrangigen Zeitschriften publiziert.

Die Preisträgerinnen 2024

Priv. Doz. Dr. phil. Christina Sauer, Diplompsychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Universitätsklinikum Heidelberg, 2017 – 2024 Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Sektion Psychoonkologie, klinische Tätigkeit in der Psychoonkologischen Ambulanz am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), 2024 Habilitation für das Fach Experimentelle Psychosomatik, Medizinische Fakultät Heidelberg. Seit November 2024 Leiterin der Psychoonkologie, Centrum für Tumorerkrankungen, Universitätsklinikum Frankfurt/M
„Electronic health intervention to manage symptoms of immunotherapy in patients with cancer (SOFIA): Results from a randomized controlled pilot trial“ (https://doi.org/10.1002/cncr.35300)

Priv. Doz. Dr. rer. nat., Mag. Elisabeth Zeilinger, Diplompsychologin, Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin, Medizinische Universität Wien, Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, Innere Medizin I, 2023 Habilitation im Fachbereich Medizinische Psychologie an der Medizinischen Universität Wien. Seit September 2023 Wissenschaftliche Psychologin und Leiterin des Forschungsteams im Haus der Barmherzigkeit, Wien
„The impact of COVID-19 and socioeconomic status on psychological distress in cancer patients“ (https://doi.org/10.1016/j.ijchp.2023.100404)

Beide Arbeiten wurden in international hochrangigen Zeitschriften publiziert.

Preisträgerinnen 2022

Kristina Herzog, M.Sc. Psych.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden sowie am Universitätsklinikum Leipzig, Selbstständige Abteilung für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie und Hämostaseologie
Illness perceptions in patients and parents in paediatric oncology during acute treatment and follow‐up care

Prof. Dr. phil. Isabelle Scholl, Dipl.-Psych. (Preisträgerin gemeinsame mit P. Hahlweg)
Professorin für Psychoonkologie und Patientenorientierte Medizin, Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Stellvertretende Institutsdirektorin und Leiterin der Spezialambulanz für Psychoonkologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Evaluation of a program for routine implementation of shared decision-making in cancer care: results of a stepped wedge cluster randomized trial

Dr. phil. Pola Hahlweg, Dipl.-Psych., M.A.S. (Preisträgerin gemeinsame mit I. Scholl)
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Spezialambulanz für Psychoonkologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Dr. phil. Mareike Ernst, M.Sc. Psych. – wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz, Tenure-Track-Professur für psychoanalytisch-orientierte Psychotherapieforschung, Institut für Psychologie, Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Österreich.
What’s past is prologue: Recalled parenting styles are associated with childhood cancer survivors‘ mental health outcomes more than 25 years after diagnosis – PubMed

Dr. rer. medic. Sara Lena Lückmann – vormals wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, seit 12/2023 Dezernentin, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale)
Coping mechanisms for financial toxicity: a qualitative study of cancer patients‘ experiences in Germany – PubMed

Dr. phil. Astrid Grossert-Leugger, M.Sc. Psych., vormals Mitarbeiterin am University Hospital Basel, Department of Medical Oncology/Department of Psychosomatic, jetzt Psychotherapeutische Praxis, Basel

Arbeit zum Thema: Web-Based Stress Management for Newly Diagnosed Patients With Cancer (STREAM): A Randomized, Wait-List Controlled Intervention Study – PMC

Prof. Dr. sc. hum. Marco Warth, Dipl.-Psych., Musiktherapeut M.A., Psychologischer Psychotherapeut, Professor für Klinische Psychologie, School of Health, Education and Social Sciences, Heidelberg, Psychotherapeutische Praxis Saarbrücken

Arbeit zum Thema: „Music therapy in palliative care – A randomized controlled trial to evaluate effects on relaxation“. Deutsches Ärzteblatt International, 112(46), 788-794. DOI: 10.3238/arztebl.2015.0788. Music Therapy in Palliative Care (13.11.2015)

Dr. phil. Thomas Krattenmacher, Dipl.-Psych., Privatpraxis für Psychotherapie, Paartherapie, Coaching und Supervision

Arbeit: Untersuchungen zur psychosozialen Anpassung von Kindern in Familien mit einem krebskranken Elternteil – Deutsche Digitale Bibliothek

Prof. Dr. rer. medic. Lena Ansmann, Universität zu Köln, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR), Leiterin des Lehrstuhls für Medizinsoziologie, Köln

Arbeit: „Die Arzt-Patient Interaktion und der Kontext Krankenhaus – Untersuchungen zu sozialer Unterstützung durch Ärzte in der Versorgung von Brustkrebspatienten“ Do breast cancer patients receive less support from physicians in German hospitals with high physician workload? A multilevel analysis – PubMed

PD Dr. phil. Sigrun Vehling, Dipl.-Psych., Psychologische Psychotherapeutin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Univ.-Klinikum Eppendorf, Hamburg, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie
Arbeit: Receiving palliative treatment moderates the effect of age and gender on demoralization in patients with cancer – PubMed

Dr. phil. Hilke Rath, Dipl.-Psych., vormals wissenschaftliche Mitarbeiterin, Univ.-Klinikum Eppendorf, Hamburg, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, jetzt: Psychotherapeutische Praxis Hamburg
Arbeit: Work-related predictors of not returning to work after inpatient rehabilitation in cancer patients – PubMed

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