Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung der Lebensqualität und der Notwendigkeit der Implementierung von geeigneten Versorgungskonzepten für Langzeitüberlebende einer Krebserkrankung untersuchte die Arbeitsgruppe um Eva Telzerow die langfristige Lebensqualität und Lebenszufriedenheit von Überlebenden einer akuten myeloischen Leukämie (AML). Sie widmet sich mit dieser Arbeit einer bislang wenig erforschten Patient*innengruppe. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die Erkrankung und ihre Behandlung auf das psychosoziale Wohlbefinden und die Lebenssituation von Langzeitüberlebenden auswirken. In einer multizentrischen Querschnittstudie untersuchte sie eine für diese Diagnosegruppe beachtliche Stichprobe von 427 ehemaligen AML-Patient*innen mindestens fünf Jahre nach der Diagnose und bis zu einem Zeitraum von 18,6 Jahren danach. Etwas mehr als die Hälfte (63 %) hat eine allogene Stammzelltransplantation erhalten. Die Ergebnisse zeigen, dass viele AML-Überlebende auch Jahre nach Abschluss der Therapie mit relevanten körperlichen und psychischen Belastungen konfrontiert sind. Insbesondere Fatigue, Angstsymptome, Komorbiditäten sowie eine geringe soziale Unterstützung erwiesen sich als wesentliche Risikofaktoren für eine eingeschränkte Lebensqualität. Gleichzeitig konnte die Studie wichtige Ressourcen identifizieren, die mit einer höheren Lebenszufriedenheit verbunden sind. Besonders aufschlussreich ist die differenzierte Betrachtung und Analyse von Patient*innen nach allogener Stammzelltransplantation sowie die Identifikation von Risikogruppen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf. Die Gutachter*innen betonen, dass die Arbeit für die psychoonkologische Versorgung eine hohe Bedeutung hat. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Nachsorge von AML-Patientinnen und -Patienten weit über die reine Rezidivkontrolle hinausgehen muss. Psychosoziale Belastungen, Fatigue, emotionale Beeinträchtigungen und soziale Unterstützungsbedarfe sollten systematisch erfasst und in strukturierte Nachsorgekonzepte integriert werden. Die Studie liefert damit eine wertvolle wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung bedarfsorientierter psychoonkologischer und survivorship-orientierter Versorgungsprogramme mit entsprechenden Implikationen für die Weiterentwicklung klinischer Leitlinien.
Fotonachweis: Christiane Meyer „Fotographie by Christiane“